Berlinale 2012: auguri, auguri, auguri !!!

Am Samstag dem 18.2. hat die Jury der 62. Berlinale unter dem Vorsitz von Mike Leigh ihre Gewinner bekanntgegeben. Zuallererst beglückwünschen wir die Brüder Paolo und Vittorio Taviani zum Goldenen Bären im Hauptwettbewerb mit CESARE DEVE MORIRE (CESAR MUST DIE)! Für diesen als Spielfilm zunächst einmal ungewöhnlichen, aber in Ansatz und Ausführung auch sehr einnehmenden Film sind die beiden mit ihrem Filmteam ein halbes Jahr lang dabei, wie Häftlinge eines Gefängnisses in Rom, selber Mörder und Schwerverbrecher, Shakespeares JULIUS CESAR einstudieren und auf der Bühne spielen. Das von Simone Zampagni fotografierte Werk hat sowohl eine opulente fiktionale als auch eine dokumentarische Seite, und es zeigt großartige Gesichter, wie man sie vielleicht nur in Italien findet.
Oben ein Szenenfoto der Schlussaufführung des Stücks (Foto: Rai Trade).

Aber auch zahlreiche unabhängige Jurys haben ihre Entscheidung getroffen.  Wir gratulieren insbesondere DP Lutz Reitemeier zum Silbernen Bären, den er für seine künstlerische Leistung in Form der Kameraarbeit bei BAI LU YUAN von Wang Quan’an aus China bekam, sowie der Schweizer Filmemacherin Ursula Meier und ihrer französischen Kamerafrau Agnès Godard, AFC, zum Sonderpreis Silberner Bär für L’ENFANT D’EN HAUT.

Agnès Godard kennen unsere Leser auch schon von einem ausführlichen Interview, das DP Willy Kurant, AFC, ASC, mit ihr nach dem Herauskommen von Emanuele Crialeses NUOVOMONDO (GOLDEN DOORS, Italien 2006) mit ihr geführt hat (FILM & TV KAMERAMANN 4/2010, S. 6 ff). Auch mit HOME, ebenfalls von Ursula Meier, und mit 35 RHUMS von Claire Denis, die beide 2008/2009 bei uns im Kino liefen, fiel sie auf. Anfang März (am 2. und 3.) wird sie bei den Marburger Kameragesprächen der Marburger Kamerapreis erhalten, auch da fahren wir hin. Unser Titelbild der Ausgabe 4/2010 (Foto) zeigt Agnès Godard beim Einrichten eines Ballonlichts während der Dreharbeiten von HOME, «irgendwo zwischen Schwarzem Meer und Sofia», wie sie uns dazu erzählte.

FILM & TV KAMERAMANN 4/2010 – Titel

Den deutschen Kameramann Lutz Reitemeier, der fast mehr in China als in Deutschland dreht, verfolgen wir auch schon länger. Ein großes Interview mit ihm, geführt von Caroline Buck, erschien in Heft 7/2006. Das Foto unten zeigt ihn, gut gegen die Kälte geschützt, bei einem Dreh in China, das Potsdamer Studentenfilmfestival Sehsüchte in Potsdam-Babelsberg präsentierte den DP so im Mai 2009, als er dort der Dokumentarfilm-Jury angehörte.

Lutz Reitemeier bei Sehsüchte 2009

Lutz Reitemeier bei Dreharbeiten in der Volksrepublik China. Foto: Sehsüchte.

Preise der Internationalen Jury

Goldener Bär für den Besten Film:
CESARE DEVE MORIRE (CESAR MUST DIE, Paolo und Vittorio Taviani, Italien; Bild: Simone Zampagni).

Großer Preis der Jury (Silberner Bär):
CSAK A SZÉL (JUST THE WIND, Bence Fliegauf, Ungarn/Deutschland/Frankreich, Bild: Zoltán Lovasi)

Silberner Bär für die beste Regie:
Christian Petzold für BARBARA (Deutschland, Bild: Hans Fromm, BVK)

Silberner Bär für die beste Schauspielerin:
Rachel Mwanza für REBELLE (WAR WITCH, Kim Nguyen, Kanada; Bild: Nicolas Bolduc)

Silberner Bär für den besten Schauspieler:
Mikkel Folsgaard für EN KONGELIG AFFÆRE (DIE KÖNIGIN UND DER LEIBARZT, Nikolaj Arcel, Dänemark/ Tschechien/Schweden/Deutschland, Bild: Rasmus Videbæk)

Silberner Bär für eine herausragende künstlerische Leistung:
BAI LU YUAN (WHITE DEER PLAIN) an Lutz Reitemeier für seine Kameraarbeit (Regie: Wang Quan’an, China)

Silberner Bär für bestes Drehbuch:
EN KONGELIG AFFÆRE (DIE KÖNIGIN UND DER LEIBARZT) an Nikolaj Arcel und Rasmus Heisterberg

Sonderpreis Silberner Bär:
L’ENFANT D’EN HAUT  (SISTER, Ursula Meier, Schweiz/Frankreich; Bild: Agnès Godard, AFC)

Alfred-Bauer-Preis (Preis für einen Film, der neue Perspektiven auf die Filmkunst eröffnet):
TABU (Miguel Gomes, Portugal/Deutschland/Brasilien/Frankreich; Bild: Rui Poças)

 

Jury für den besten Erstlingsfilm

Bester Erstlingsfilm (dotiert mit 50.000 Euro, gestiftet von der Gesellschaft zur Wahrnehmung von der Film- und Fernsehrechten mbH – GWFF): KAUWBOY (Boudewjin Koole, Niederlande, Bild: Daniël Bouquet);
Lobende Erwähnung: TEPENIN ARDI (BEYOND THE HILL, Emin Alper, Türkei/Griechenland; Bild: George Chiper-Lillemark)

 

Preise der Internationalen Kurzfilmjury:

Goldener Bär: RAFA (João Salaviza, Portugal/Frankreich, Bild: Vasco Viana)

Silberner Bär: GUREHTO RABBITO (THE GREAT RABBIT, Wada Atshushi, Animation, Frankreich);
Besondere Erwähnung: LICURI SURF (Guile Martins, Brasilien; Bild: Julia Zakia)

EFA Short Film Nominee Berlin: VILAINE FILLE, MAUVAIS GARÇON (TWO SHIPS, Justine Triet, Frankreich; Bild: Tom Harari)

DAAD-Kurzfilmpreis: THE MAN THAT GOT AWAY (Trevor Anderson, Kanada, Bild: Mike McLaughlin)

 

Preis der Kinderjury Generation K plus:

Gläserner Bär für den besten Spielfilm: ARCADIA (Olivia Silver, USA; Bild: Eric Lin)

Lobende Erwähnung: KIKOETERU, FURI WO SITA DAKE (JUST PRETENDED TO HEAR, Kaori Imaizumi, Japan, Bild: Hiroshi Iwanaga)

Gläserner Bär für den besten Kurzfilm: JULIAN (Matthew Moore, Australien; Bild: Stuart O’Rourke),
Lobende Erwähnung: BINO (Billie Pleffer, Australien; Bild: Ari Wegner)

 

Preis der Kinderjury Jugendjury 14 plus:

Gläserner Bär für den besten Spielfilm: LAL GECE (NIGHT OF SILENCE, Reis Çelik, Türkei; Bild: Gökhan Tiryaki);
Lobende Erwähnung: KRONJUVELERNA  (THE CROWN JEWELS,  Ella Lemhagen, Schweden, Bild: Anders Bohman)

Gläserner Bär für den besten Kurzfilm: MEATHEAD (Sam Holst, Neuseeland; Bild: Andrew Commis);
Lobende Erwähnung: 6631114 (Isamu Hirabayashi, Japan; Bild: Kohide Nakashima)

 

Preis der Deutschen Kinderhilfswerks:

Großer Preis: KAUWBOY (Boudewjin Koole, Niederlande; Bild: Daniël Bouquet)

Lobende Erwähnung: GATTU (Rajan Khosa, Indien; Bild: Satya Rai Nagpaul)

Spezialpreis für den besten Kurzfilm: BINO (Billie Pleffer, Australien; Bild: Ari Wegner)

Lobende Erwähnung: L (Thais Fujinaga, Brasilien; Bild: André Luiz de Luiz)

 

Preise der Ökumenischen Jury

Wettbewerb: CESARE DEVE MORIRE (siehe oben)

Lobende Erwähnung: REBELLE (siehe oben)

Panorama: DIE WAND Die Wand (Julian Roman Pölsler, Österreich/Deutschland; Bild: J. R. P. Altmann; Christian Berger, AAC; Markus Fraunholz, BVK; Martin Gschlacht, AAC; Bernhard Keller; Helmut Pirnat, AAC; Hans Selikovsky; Thomas Tröger; Richi Wagner);
Lobende Erwähnung: PARADA (Die Parade,  Srđjan Dragojevic, Serbien/Kroatien/Mazedonien/Slowenien; Bild: Dušan Joksimovic)

Forum: LA DEMORA (THE DELAY, Rodrigo Pla, Uruguay/Mexiko/Frankreich; Bild: María Secco)

 

Preise der internationalen Filmkritik (FIPRESCI)

Wettbewerb: TABU (siehe oben)

Panorama: L’ÂGE ATOMIQUE (ATOMIC AGE, Helena Klotz, Frankreich; Bild: Hélène Louvart, AFC)

Forum: HEMEL (Sacha Polak, Niederlande/Spanien; Bild: Daniël Bouquet)

 

Preis des Internationalen Verbandes der Filmkunsttheater (C.I.C.A.E):

Panorama: DEATH FOR SALE (Faouzi Bensaidi, Belgien/Frankreich/Marokko; Bild: Marc-André Batigne)

Forum: KAZOKU NO KUNI (OUR HOMELAND, Yang Yonghi, Japan; Bild: Toda Yoshihisa)

 

Preis der Gilde deutscher Filmkunsttheater 

À MOI SEULE (COMING HOME, Frédéric Videau, Frankreich; Bild: Marc Tévanian, François Quiquere)

 

Panorama-Publikumspreis

Spielfilm: PARADA (siehe oben)

Dokumentarfilm: MARINA ABRAMOVIC – THE ARTIST IS PRESENT (Matthew Akers, auch Bild, USA)

 

Caligari-Filmpreis:

TEPENIN ARDI (BEYOND THE HILL, siehe oben)

 

Preis Dialogue en perspective

THIS AIN’T CALIFORNIA, Martin Persiel, Deutschland; Bild: Felix Leihberg)

 

Berlinale-Kamera 2012

Studio Babelsberg (100jähriges Jubiläum)

Haro Senft (einer der Gründungsväter des Neuen Deutschen Films )

Ray Dolby (Pionier des guten Klangs im Kino)

 

Goldener Ehrenbär

Meryl Streep (Schauspielerin)

 

Alle Preise der Berlinale 2012 einschließlich der Preise der unabhängigen Jurys finden Sie direkt auf der Website der Berlinale.

 

 



Kommentare

  1. Dériaz Philippe sagt:

    In der Schweiz spricht man von einem Silbernen Extra-Bär für Ursule Meier und “L’enfant d’en-haut”; in “Kameramann” wird eine lobende Erwähnung genannt… Was stimmt??

    • Philipp von Lucke sagt:

      Genau genommen ist es laut offizieller Berlinale-Preisträgerliste (siehe Link unter unserem Artikel) ein «Sonderpreis Silberner Bär». Wir haben das in der Meldung entsprechend umformuliert und freuen uns, zu einem richtigen Bären und nicht nur zu einer Lobenden Erwähnung gratulieren zu können!

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