Jeder Blick ist anders: John Seale gilt als Meister der Arbeit mit vielen Kameras an einem Set, bis zu sechs waren es bei großen Hollywood-Filmen. Zugleich ist er Spezialist für weltweite Einsätze im Dschungel, in Wüsten, im Wasser – ob bei GORILLAS IN THE MIST (GORILLAS IM NEBEL, Regie: Michael Apted, US 1988) oder POSEIDON (Regie: Wolfgang Petersen, US 2006).
Mit uns unterhielt er sich im Dezember 2011 in Bydgoszcz, Polen, auf dem Kamerafestival Plus-Camerimage, wo ihm der Preis für das Lebenswerk überreicht wurde. Es ging in unserem Gespräch um seine Arbeitmethoden und auch um einen festen Werte-Kanon am Set, den sich Seale über seine lange Karriere bewahrt hat – auch als er seine Familie in den 1970er Jahren kaum ernähren konnte:
«Heute halte ich Vorlesungen darüber, dass man vielleicht ein wenig hungern muss und unbeirrt seinen Weg gehen sollte. Denn nur dann glauben dir die Leute, dass du Einsatz zeigen wirst. Wenn dir die Menschen das nicht abnehmen, kriegst du nicht die Jobs, die du willst. Ich habe Freunde, die als Bühnenleute gearbeitet haben und viel Geld verdienten. Aber sie schafften es danach nicht mehr zum Kameramann. Als DP suche ich heute immer nach Crewmitgliedern, die mir volle Einsatzbereitschaft signalisieren. Leider gibt es – gerade in den USA – oft Assistenten, die nur am Geld interessiert sind. Die sind manchmal schon weg, bevor der Film fertig ist. Ich verstehe ja, dass man als Freiberufler so viel Arbeit wie möglich braucht. Aber ich habe viele Filme nicht machen können, weil ich zu meinem Wort stand. Ich finde es wichtig, einen Film fertigzustellen, wenn man ihn begonnen hat.»
Der Australier wurde 1942 in Warwick in Queensland geboren, war nach TV-Arbeit beim australischen Spielfilm zunächst Schwenker für Russell Boyd, Don Alpine und andere und etwas später DP. International bekannt wurde er mit WITNESS (DER EINZIGE ZEUGE, Regie: Peter Weir, US 1985) und RAIN MAN (Barry Levinson, US 1988). Für THE ENGLISH PATIENT (Anthony Minghella, US/UK 1996) bekam er den Oscar, Bafta und ASC-Award. Er ist ACS- und ASC-Mitglied. Der Durchbruch aber gelang ihm bei WITNESS, damals mit Harrison Ford. Sein Regisseur Peter Weir beruhigte ihn angesichts seines ersten Drehs in den USA damals mit folgenden Worten:
«Sieh das als australischen Film, es arbeiten nur viele Leute mit einem sehr seltsamen Akzent daran mit.»
Das Ergebnis war ein Klassiker des modernen Thrillers, hier noch einmal der Trailer zur englischen Version, der wie fast alle Filme Seales mit Panavision-Equipment gedreht wurde:
Die komplette Filmografie des Director of Photography finden Sie auf IMDB.
Das komplette Interview ist in unserer Ausgabe 4/2012 erschienen. Unser großer Bericht zum Festival Plus-Camerimage 2011 steht in Heft 2/2012, eine Übersicht aller Preisträger hier auf unserer Website.
Foto oben
John Seale im Dezember 2011 in Bydgosccz, Polen.
© Sabine Felber
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