ZDF zum 80. Geburtstag von Rainer Erler

zdf_logoRainer Erler begeht am 23. August seinen 80. Geburtstag. Der Regisseur und Autor gilt als ein Beobachter wissenschaftlicher Trends und Kritiker möglicher Fehlentwicklungen. Das ZDF widmet dem Jubilar in den nächsten Tagen zwei Sendetermine.

Nach dem Abitur hatte Rainer Erler u.a. als Regieassistent von Paul Verhoeven und Franz-Peter Wirth sowie in den USA gearbeitet. Seine erste Regiearbeit SEELENWANDERUNG (1962, Kamera Günther Senftleben) wurde 1964 mit dem Ernst-Lubitsch-Preis und dem Dibelius-Preis der Berlinale ausgezeichnet.

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Rainer Erler. Foto: rainer-erler.com.

In den Filmen, die er bis 1990 drehte, nahm Erler vielfach Themen vorweg, die später Schlagzeilen machten. Seine Kritik an Fortschrittsgläubigkeit und die Warnung vor dem atomaren Holocaust kleidete er in Science Fiction-Szenarien. Dafür setzte er wissenschaftliche Fakten ebenso ein wie das filmische Spannungsmoment, das er in dem Subgenre des „Science Thrillers“ manifestierte.

Zum Jubiläum zeigt das ZDF am Freitag, 23. August, um 1.30 Uhr, Erlers Klassiker FLEISCH (Kamera: Wolfgang Grasshoff, Wolf Bachmann). Dort griff Erler schon 1979 das Thema Organhandel auf, das aktuell durch Manipulationen von Empfängerlisten wieder Schlagzeilen macht. Ein junger Mann (Herbert Hermann) wird in den USA entführt; seine Frau (Jutta Speidel) kommt auf ihrer Suche einem schwunghaften Organhandel für Zahlungskräftige auf die Spur. Gegen den Film machte die deutsche Ärzteschaft mobil, die Vorurteile genährt sah. FLEISCH lief dessen ungeachtet in den Kinos in mehr als 120 Ländern und gilt heute als Kultfilm. Dass der Stoff noch heute spannend ist zeigt die für ProSieben 2007 von Oliver Schmitz (Kamera Rod Stewart) gedrehte Neuverfilmung.

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Ebenfalls für das ZDF entstand 1974 bis 1976 den Fünfteiler DAS BLAUE PALAIS (Kamera Frank Brühne, Joseph Vilsmaier) über die Verantwortung der Wissenschaft gegenüber der Gesellschaft. Im 5. Teil DER GIGANT arbeitet ein Chemiker (Dieter Laser) bei der Entwicklung eines neuen Werkstoffes, der die zur Neige gehenden Rohstoffvorräte ersetzen soll, mit einem Industrieunternehmen zusammen, das jedoch eigene zwielichtige Ziele verfolgt. Als er auf die dabei entstehenden umweltzerstörenden Schadstoffe aufmerksam macht, verliert er seine Existenz.

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Szene aus FLEISCH. Foto: ZDF/Pentagramma.

In mehreren Filmen warnte Erler eindringlich vor dem atomaren Gau, verursacht durch Kriege wie durch unkontrollierte friedliche Nutzung. So findet eine zurückkehrende Raumschiffbesatzung in OPERATION GANYMED (ZDF 1977, Kamera W. Grashoff; Kinotitel: HELDEN – VERLOREN IM STAUB DER STERNE) die Erde völlig zerstört vor. Damit versetzt er die Raumfahrer in einen Stress, dem sie nicht gewachsen sind und demontiert zugeleich das Heldenbild von den Astronauten. Nach wie vor von hoher Aktualität ist der 1986 wiederum mit Kameramann Wolfgang Grasshoff in internationaler Koproduktion und mit dem ZDF gedrehte Film NEWS – BERICHT ÜBER EINE STRAHLENDE ZUKUNFT. Dessen Protagonisten kommen einer Verschwörung der Atomindustrie auf die Spur, die Castor-Container in der australischen Wüste „entsorgen“ will.

Erler beherrschte aber auch das komödiantische Genre. In ORDEN FÜR DIE WUNDERKINDER (1963, Kamera Werner Kurz, WDR/Bavaria) sattelt ein aus der Haft entlassener Heiratsschwindler (Carl-Heinz Schroth) um: Ferdinand Ziegler verkauft den Gewinnlern des Wirtschaftswunders Bundesverdienstkreuze samt Brief und Siegel. Letztlich fliegt er auf; weil aber diese Bedienung bundesdeutsch-neureicher Eitelkeiten für die Regierung gar zu peinlich ist, wird sein Tun vertuscht und Ziegler als Oberregierungsrat in die wohlbestallte Pension geschickt.

Neben Wolfgang Grasshoff, der zahlreiche Werke Erlers in Bild setzte, verband den Regisseur eine enge Zusammenarbeit mit dem Komponisten Eugen Thomass. Die Filme Rainer Erlers sind auf DVD einzeln oder in einer „Kultfilmbox-Rainer Erler“ erschienen.

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