HDTV-Programme kostenpflichtig

ZDF läutet den Umstieg auf Full HD ein

Ausgerechnet die Fernseh-Antenne, aufgrund der vergleichsweise geringen Sendebandbreite der qualitative Schwachpunkt der Fernseh-Verbreitungswege, wird zur Sendeplattform mit dem bestmöglichen HDTV-Modus. Das ZDF will ab 2016 mit neuer DVB-T2 Technik erstmals in „FullHD“ senden – also eine Auflösung von 1.920 mal 1.080 Pixeln mit 50 progressiven Bildern (1080p/50) pro Sekunde.

Der gegenüber dem bisher via Satellit und Kabel genutzten Modus 720p/50 zusätzliche Bedarf an Bandbreite sei geringer als erwartet, so ZDF-Produktionsdirektor Andreas Bereczky. Das haben Tests des Instituts für Rundfunktechnik ergeben. Das neue DVB-T2 bohrt die Datenraten eines UHF-Kanals von derzeit bei DVB-T üblichen 14 bis 16 Megabits pro Sekunde auf bis zu 33 MBit/s auf. Im Zusammenwirken mit dem Kompressionsstandard High Efficiency Coding (HEVC) wird die Ressourcen-Nutzung so optimiert, dass bis zu acht statt vier Programme – und in HDTV statt in Standard-Auflösung – je Kanal gesendet werden können. Was noch nicht heißt, dass sie auch so produziert werden: Im heute-Studio der Mainzer werde nach wie vor in Standard-Auflösung produziert. Zur Ausstrahlung wird das auf HDTV hochkonvertiert, räumt Bereczky ein. Das soll auf absehbare Zeit so bleiben.

Nach seinen Worten könnte die Ausrichtung von HEVC auf progressive Bildgebung auch die ARD und die Privaten (die HDTV zur Zeit in 1080i/25 senden) veranlassen, ihre DVB-T2 Multiplexe auf 1080p/50 einzustellen. Damit wäre die Antenne der erste TV-Verbreitungsweg, der auf das Halbbildverfahren verzichtet. Das ist ohnehin längst „fällig“. Das Interlacing stammt aus den Fernseh-Frühzeiten und ist „sozusagen die Datenreduktion des analogen Zeitalters“, kommentiert Andreas Bereczky.

alexturm

Von diesem technischen Fortschritt kann immerhin jeder zehnte deutsche Fernsehhaushalt profitieren. Allerdings werden zumindest die beiden großen privaten Programmfamilien ihre TV-Kanäle über DVB-T2, wie schon via Satellit und im Kabel, grundverschlüsselt verbreiten. Laut Media Broadcast, von den Landesmedienanstalten als Betreiber einer Vermarktungsplattform der Privaten lizenziert, ist mit einem Monatspreis von etwa fünf Euro für das Abo zu rechnen, was den Kosten des HD+ Satellitenpakets der Privaten entspricht. Damit sich das rechnet, wollen die Privaten die terrestrische Verbreitung ihrer Programme von den bisherigen Ballungsgebieten auf „Mittelzentren“ erweitern. ARD und ZDF sowie wohl auch regionale Privatprogramme werden aber frei empfangbar bleiben.

Im Vorfeld haben ARD, ZDF, die RTL-Gruppe, ProSiebenSat1, die Landesmedienanstalten und der Privatfunkverband VPRT das Projektbüro „DVB-T2 HD“ gegründet. Gemeinsam soll das Marketing in Richtung Handel und Verbraucher vorangetrieben werden. Zur Verbraucherinformation soll auch das neue „DVB-T2 HD“-Logo beitragen, mit dem geeignete Empfangsgeräte gekennzeichnet werden können. Grundlage für die Vergabe sind technische Mindestanforderungen, die von der Deutschen TV-Plattform formuliert wurden.

Das Projektbüro kündigt den Einstieg in den Umstieg von DVB-T auf DVB-T2 ab dem Frühjahr 2016 an. „In ausgewiesenen Pilotregionen“ soll dann ein erster Multiplex auf Sendung gehen – also rechtzeitig zur Fußball-EM, die am 10. Juni 2016 beginnt. „Die Umschaltung ist für das Frühjahr 2017 in über 10 Ballungsräumen geplant und soll bundesweit Mitte 2019 abgeschlossen sein“, heißt es weiter.

Der Ablauf steht unter dem Druck eines Verlustes von etwa 40 Prozent der bisherigen terrestrischen Sendefrequenzen. Die Bundesnetzagnetur versteigert derzeit die TV-Kanäle 49 bis 60 zugunsten des Mobilfunks und im Zuge der Breitbandpolitik der Bundesregierung. Telekom, Vodafone und Telefonica wollen Dienste im UHF-Band oberhalb 700 MHz schon ab 2018 anbieten.

Wer auf den terrestrischen TV-Empfang angewiesen ist sollte sich allerdings mit dem Gerätekauf gedulden. Zwar werden derzeit Fernsehgeräte mit DVB-T2 Tuner angeboten; diese beherrschen in der Regel jedoch den HEVC-Codec nicht und sind daher nicht zukunftsfähig. DVB-T2 und HEVC beherrschen aktuell nur wenige hochpreisige Fernseher mit „4k“-Display. Bis zum Sendestart soll es neben einem breiteren Angebot an geeigneten HDTV-Fernsehern auch Settopboxen geben, mit denen Sendungen in DVB-T2 auf älteren HDTV-Displays gesehen werden können.

Weitere Infos: Website des Projektbüros DVB-T2 HD, Webseiten der Deutschen TV-Plattform zu DVB-T2 mit den Minimalanforderungen für Endgeräte.

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