Nach zehn Jahren Rechtsstreit

Synchronsprecher gewinnt Rechtsstreit gegen Disney

Seit über zehn Jahren beschäftigte ein Rechtsstreit zwischen einem Synchronsprecher und dem Hollywoodriesen Disney die deutschen Gerichte. 

Synchronsprecher Marcus Off
Kornelia Boje
Synchronsprecher Marcus Off

Der Grund: Marcus Off, der in den ersten 3 “Fluch der Karibik”-Teilen die Hauptfigur Captain Jack Sparrow (Jonny Depp) auf deutsch synchronisiert hatte, klagte seine Nachvergütungsansprüche ein. Nun wurde eine Nichtzulassungsbeschwerde seitens Disney vom Bundesgerichtshof in Karlsruhe abgelehnt.

Mit der Zurückweisung der Klage gilt nun das Urteil des Kammergerichts Berlin vom 1. Juni 2016. Damit hat zum ersten Mal überhaupt ein Schauspieler aus der Synchronbranche jetzt einen Anspruch auf eine Nachvergütung.

In dem zehnjährigen Rechtsstreit war es um die Frage gegangen, ob Offs Leistung für die drei Kinofilme im Vergleich zum Verwertungserfolg angemessen vergütet worden war. Nun wurde also abschließend festgestellt, dass dies nicht der Fall war. Damit erhält Off nun das Zehnfache der ursprünglich vereinbarten Gage.

Grundlage für die Klage von Marcus Off war § 32a des Urheberrechtsgesetzes (UrhG), wonach ein Künstler eine Nachforderung dann geltend machen kann, wenn zwischen der vereinbarten Gegenleistung und den Erträgen aus der Nutzung des Werkes ein auffälliges Missverhältnis besteht. Bei dem Prozess wurde Off vom InteressenVerband Synchronschauspieler e.V. (IVS) unterstützt.

„Das gesamte Verfahren offenbart die Problematik in der Synchronbranche – es fehlt nach wie vor an einer rechtssicheren Branchenlösung. Wir wollen gemeinsam mit den Produzenten und Verleihern zu Ergebnissen kommen, die für alle Beteiligten positive Effekte mit sich bringen“, meint IVS-Vorstand Till Völger. Der IVS unterstützt aktuell noch drei weitere Nachvergütungsverfahren, wovon er zwei zudem finanziert.

2 Kommentare zu “Synchronsprecher gewinnt Rechtsstreit gegen Disney”
  1. Komponist

    Schön zu lesen, dass es in der Branche positive Meldungen gibt, was das betrifft. Jedoch auch traurig zu hören / zu lesen, dass diejenigen, die mit einer Filmproduktion und deren Verwertung ein Schweinegeld machen, den Dollar dreimal herumdrehen, wenn es um eine faire, angemessene Bezahlung der Beteiligten geht.

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  2. Kai Peterson

    Es wäre an der Zeit die Synchronstimmen so wichtig zu nehmen wie sie sind: Schauspiel ist immer eine Kombination aus Bewegung, Ausdruck und Stimme.
    Die deutschen Stimmen sollten dementsprechend fair bezahlt werden – denn ein Film gewinnt durch gute Synchronisation. Und der deutsche Markt ist nicht ganz unwichtig…

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