Pilotstudie von Tanja C. Krainhöfer in Kooperation mit dem Verband der Bayerischen Filmfestivals

Studie: Filmwerke von Frauen auf Festivals unterrepräsentiert

Die Medienwissenschaftlerin Tanja C. Krainhöfer untersuchte die Repräsentanz von Filmwerken von Frauen auf 19 deutschen Filmfestivals. Die Studie wurde initiiert von der Frauenbeauftragten der HFF München, Maya Reichert.

Titelseite der Gender-Studie
Titelseite der Gender-Studie

Die Pilotstudie unter dem Titel “Frauen zeigen ihr Gesicht, Männer ihre Filme” entstand in Kooperation mit dem Verband der Bayerischen Filmfestivals. Die Studie schließt an die Gender-Forschung des Lehrstuhls Kommunikations- und Medienwissenschaft von Professorin Dr. Michaela Krützen an, die mit der Analyse “Filme.Macherinnen” die Karrierewege von HFF-Absolventinnen untersuchte.

Das Fazit: Nur auf einem der 19 untersuchten deutschen Filmfestivals waren Filmwerke von Frauen in einem ausgeglichenen Verhältnis zu denen von Männern repräsentiert. Generell sind Filmemacherinnen auf Festivals stark unterrepräsentiert.

HFF-Präsidentin Prof. Bettina Reitz: „Mit Blick auf unsere aktuellen Studierenden- und Absolventenjahrgänge sehe ich: Wir bilden ebenso viele Studentinnen wie Studenten für das Filmemachen aus. Umso alarmierender ist es, dass sich die schlechteren Chancen für Filmemacherinnen im Kino und Fernsehen in der Filmfestivallandschaft fortsetzen. Dies gilt umso mehr, da allein das rasant wachsende Netz an deutschen Filmfestivals für eine Vielzahl von Filmen eine sehr wichtige Publikums- und Branchenplattform für die Wahrnehmung von Filmemacherinnen und -machern ist und dank mitunter hoch dotierter Preise und Aufführungsgebühren auch eine ernstzunehmende Einnahmequelle darstellt”.

Im untersuchten Festivaljahr 2015 waren auf den 19 Festivals nur 27 Prozent der Filme von Frauen inszeniert, 73 dahingegen von Männern, ein Verhältnis von 1:3. Untersucht man nur das Verhältnis in deutschen Produktionen, erreichen Frauen einen Anteil von 32 Prozent, also fast 1:2.

Weiter: “Selbst wenn man berücksichtigt, dass sich der wie durch diverse Studien nachgewiesen geringere Produktionsoutput von Regisseurinnen zwangsläufig auf den Pool an selektierbaren Produktionen von Frauen und infolge auf den Programmumfang von Filmfestivals auswirken muss, demonstrieren weiterführende Quoten-Vergleiche dennoch Abweichungen, die weit über diese Korrelation hinausgehen. Während deutsche Regisseurinnen auch nur 22 Prozent des jährlichen Produktionsvolumens an abendfüllenden Spielproduktionen (Prommer/ Loist: 2015) für sich verbuchen können, reduziert sich der Anteil an langen Spielfilmen im Programm der Filmfestivals jedoch nochmals um fast die Hälfte auf nur noch 12 Prozent und zieht somit ein Geschlechterverhältnis von nahezu 1:9 nach sich. Auch dieses Ergebnis deutet darauf hin, dass Festivalbeiträge von Frauen zum Großteil Produktionen von geringerem Budget darstellen, wie Kurz- oder mittellange Filme sowie Dokumentar- und Animationsfilme.
Hinzu kommt noch, dass die Höhe der Preise deutlich zugunsten von Filmen von Regisseuren ausfallen. In der vorliegenden Stichprobe erzielen die vier höchst dotierten Preise und damit auch den höchsten Preis im Wert von 50.000 Euro Filme von Männern.
Fazit: Auch wenn eines unter den 19 untersuchten Filmfestivals ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in seinem Programm aufweist, sind Frauen im Programm deutscher Filmfestivals deutlich unterrepräsentiert”.

Tanja C. Krainhöfer stellte die Studie am 8. Mai bei einer Veranstaltung der Initiative Pro Quote Regie im Rahmen des DOK.fest München vor. Die Studie kann hier heruntergeladen werden (direkt zum PDF).

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