Expressiver Stil

Markus Förderer: «Man muss das Unterbewusstsein ansprechen»

Jeder Blick ist anders: »Alles was ich mache, ist so filmisch wie möglich, aber das kann man auch digital gestalten. Ich bin digital aufgewachsen. Man kann da einfach viel mutiger sein«, sagt der 1983 in Bühl (Baden Württemberg) geborene Markus Förderer.

DSC03179Als Jugendlicher experimentierte er mit Photoshop und Digitalkameras, erst für die Bewerbung an der Filmhochschule in München nahm er eine geliehene analoge Kamera in die Hand. HELL war das perfekte Langdebüt für ihn: Der Kameramann, der dafür mit dem deutschen Kamerapreis ausgezeichnet wurde, hat einst bei INDEPDENCE DAY entdeckt, dass er selber Filme machen will. »Kurz vor dem Abi habe ich da gemerkt, was Kino ist, Sounddesign und große Bilder, große Themen, Riesen-Raumschiffe.« Die Frage des Looks hat es ihm danach angetan. Und dem Wunsch, große Projekte zu fotografieren, ist er mittlerweile mit Riesenschritten nahe gekommen.

HELL (Regie: Tim Fehlbaum, 2010) lote »mit großer Phantasie die Grenzen des Science-Fiction-Genres« aus, lobte die Jury des deutschen Kamerapreises (Wir haben Förderer dazu lange gesprochen) . FINSTERWORLD (Regie: Frauke Finsterwalder, 2013) wurde ebenfalls zu einem großen Erfolg. Das bis hierhin größte Projekt war aber zweifellos I ORIGINS (US, Regie: Mike Cahill, 2014), das noch nicht den Weg in die deutschsprachigen Kinos geschafft hat, aber vor kurzem in Sundance für Aufsehen sorgte. Förderer hat für unsere aktuelle Ausgabe noch vor der Premiere mit uns gesprochen. Mit dem Regisseur Mike Cahill wird er demnach auch weiterhin verbunden bleiben und dürfte nun eine amerikanische Karriere starten.

Dafür verantwortlich ist sicher seine selbstbewusste digitale Arbeitsweise. Markus Förderer hat schon in Hell bewiesen, dass für ihn weniger Licht mehr ist, dass er die Randbereiche der digitalen Sensoren gerne ausreizt:

»Korrekt digital belichten, das sieht tot aus. Man muss das Rauscharme brechen. Ich belichte gerne unter. Sonst wird das Bild zu sauber, und das kann man später nicht korrigieren.« Er hatte viel Freiheit: »In der letzten Drehwoche erzählt mir Mike dann: Ich mag helle Bilder. Und du machst dunkle Sachen. Ich war geschockt. Aber er meinte nur, er finde das interessant. Das Pre-Gading habe ich dann bis an meine Schmerzgrenze aufgehellt, aber er sagte dann nur: dunkler, dunkler, dunkler.« Förderer hat Stilelemente wie Zeitlupen hier wie schon in anderen Filmen sehr suggestiv eingesetzt, und arbeitet damit teilweise an der Wahrnehmungsschwelle »Es geht immer auch darum, den Zuschauer im Unterbewusstsein anzusprechen.« Für Brit Marling kreierte er ein eigenes Licht, um der blonden Darstellerin gerecht zu werden. Blaue Lichter, LEDs und Kino Flos außerhalb des Bildes lassen ihre Haut schimmern.

Lichtpläne und weitere Details zur Produktion finden Sie im aktuellen Heft. Nach der Sundance-Premiere kursiert noch kein Trailer zu I ORIGINS im Netz. Hier ein Foto mit Hauptdarsteller Michael Pitt und Schauspielerin Astrid Berges-Frisbey:i-origins-michael-pitt

Förderers expressiver Stil zeigt sich aber auch in Filmen wie FINSTERWORLD. Hier der Trailer:

Foto oben: In Neu-Delhi wurde mit großen Kränen und erfahrenen Operatoren gearbeitet (Mike Cahill, Markus Förderer mit Steadicam-Operator Nitin Rao)

© Privatarchiv Markus Förderer

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