Die Rückkehr des Schmalfilms

Kickstarter: Neues Webportal für Super 8

Super 8 war vorbei. Erst wurde 1984 die Kamerafertigung eingestellt. Dann nahm Kodak als weltweit wichtigster Produzent ein Filmmaterial nach dem anderen vom Markt. Trotzdem hielt ein weltweiter Kreis an Enthusiasten der kleinen Filmkassette die Treue. Mit Erfolg. Kodak selbst will 2017 neben einer neu entwickelten Kamera auch das Ektachrome-Material zurück bringen. Fachautor und Schmalfilm-Veteran Jürgen Lossau will diese Entwicklung mit einem Webportal pushen – und sucht auf Kickstarter Unterstützer.

Crowdfunding-Projekt: Das Super 8 Webportal
Crowdfunding-Projekt: Das Super 8 Webportal

Adieu, chemischer Film? Es sah ganz danach aus. Als Kodak 2012 Insolvenz ankündigte, waren viele der einst beliebten Filmmaterialien für Schmalfilm-Formate bereits eingestellt. Immer weniger Material war auf dem Markt, immer weniger Kopierwerke hielten die teils hochkomplexen Entwicklungsvorgänge bereit. Die Preise für eine Super-8-Entwicklung waren eh stetig angestiegen.

Mit der Einstellung von Schmalfilm, des ältesten deutschen Printmagazins für Super 8 und 16 mm, im Jahr 2013 schien das Schicksal des “Familienfilm”-Materials endgültig besiegelt. Jetzt meldet sich der damalige Chefredakteur des Hefts mit einer neuen Idee zurück. Er will ein Super-8-Webportal auf die Beine stellen, eine internationale Plattform in englischer Sprache. 1.000 Schmalfilme sollen hier gezeigt werden, täglich sollen Artikel rund um die Basics des Super-8-Filmens online gehen.

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. So kündigte Kodak Anfang 2016 eine neue Super-8-Kamera an und überraschte Anfang 2017 mit der Ankündigung, auch der berühmte Ektachrome-Diafilm (Wir berichteten) solle zurückkehren, neben der Fotografie auch beliebter Schmalfilmträger. „Nun fehlt nur noch eine gute und moderne Informationsquelle für alle bisherigen und neuen Schmalfilmer“, sagt Fachautor Jürgen Lossau, der zahlreiche Bücher über Kameras und Projektoren geschrieben hat. Für das Projekt wird zurzeit im Rahmen einer Crowdfunding-Kampagne auf Kickstarter geworben. Wenn genügend Geld zusammen kommt, soll es das flimmernde Webportal mit Forum auch in deutscher Sprache geben.

Super 8 ist kein günstiges Hobby. Die neue Kamera von Kodak, ausgestattet mit beweglichem LCD-Display und digitaler Sound-Aufzeichnung, wird rund 2.000 Euro kosten. Natürlich lässt sich aber auch mit Geräten aus den 1970er Jahren drehen, die es beim Online-Auktionshaus eBay ab fünf Euro gibt. Ein Farbfilm mit Entwicklung liegt heute bei rund 50 Euro. „Das Super-8-Filmbild ist einmalig“, sagt Lossau. „Echtes Filmkorn webt einen Teppich aus Bildpunkten, was den Charme des Formats ausmacht.“ Musikclips, Werbespots, Dokus, Spiel- oder Trickfilme und Familienerinnerungen entstehen deswegen immer noch auf Super 8 – auch weil Film als besonders langlebig gilt.

Jürgen Lossau, Initiator des Super 8 Web Portals, mit der neuen Kodak Super 8 Filmkamera, Friedemann Wachsmuth, Super-8-Filmer und Autor beim geplanten Projekt
Jürgen Lossau, Initiator des Super 8 Web Portals, mit der neuen Kodak Super 8 Filmkamera, Friedemann Wachsmuth, Super-8-Filmer und Autor beim geplanten Projekt

Datenbank für Kameras und Projektoren

Im Super 8 Web Portal soll es neben einem News-Bereich und den Berichten über Filmer sowie ihre Projekte auch eine Datenbank geben. Darin werden alle jemals gebauten Filmkameras und Projektoren mit technischen Angaben und Fotos enthalten sein. Über 7.000 Modelle sind zwischen 1965 und 1984 gefertigt worden. „Vor zwei Jahren kam dann die dänische Logmar Super-8-Kamera heraus, jetzt folgt Kodak und in der Schweiz werkelt auch jemand an einem Prototypen. Es ist wieder Leben in der Bude“, lacht Lossau.

Im Super 8 Web Portal gibt es deshalb auch einen Service-Bereich, in dem sämtliche Werkstätten und Laborbetriebe weltweit aufgelistet sein werden. Auch ein Verzeichnis der Wettbewerbe, die Super-8-Filme annehmen, gehört dazu. Workshops zeigen in kleinen Filmen die Handhabung von Kameras, die Selbstentwicklung und einfache Reparaturen.

Höhepunkt der Webseite ist der Bereich „Super8Show“. Hier werden insgesamt 1.000 neue und alte Schmalfilme präsentiert. Dabei handelt es sich vielfach um Siegerbeiträge aus Wettbewerben des Bundes Deutscher Film Autoren (BDFA) oder des NOMOS Super-8-Filmpreises. Auch Gewinner des englischen straight 8 Wettbewerbs werden dabei sein, bei dem die Filmkassette ungeschnitten eingereicht werden muss. Nutzer des Super 8 Web Portals können natürlich auch ihre eigenen Werke hoch laden.

„Das ist doch eine tolle Idee“, findet Super-8-Freak Friedemann Wachsmuth, der für das Portal schreibt. „So können weltweit viele Leute zusammenfinden, die das gleiche Interesse haben. Heute, wo es kaum noch Clubs oder Vereine gibt, tritt das Internet an die Stelle. Hier können alle ihre Filme zeigen, Erfahrungen austauschen, voneinander lernen. Jetzt findet man sein Publikum.“

Ein Abo für Super-8-Freaks

Das Super 8 Web Portal wird von vielen früheren Autoren und Übersetzern der Magazine schmalfilm und small format redaktionell betreut. Für den technischen Aufbau der Plattform, das Design und die Digitalisierung der Filme hat Initiator Jürgen Lossau ein Crowdfunding-Projekt bei Kickstarter ins Leben gerufen. Dort kann man sich für 45 Euro ein Jahr lang einen Zugang zu allen Angeboten sichern.

Wenn die Webseite online geht, soll es nur wenige Informationen geben, die frei zugänglich bleiben. Die meisten Bereiche sind nur über ein Abo aufrufbar – so wie früher bei den gedruckten Magazinen. „Dafür ist das Angebot jetzt nur noch halb so teuer“, freut sich Lossau, der eine echte Community aufbauen will. Doch zunächst hofft er darauf, dass sich genügend Fans des kleinen Filmformats finden, die mitmachen wollen: „Damit Super 8 noch lange am Leben und bezahlbar bleibt.“

7 Kommentare zu “Kickstarter: Neues Webportal für Super 8”
  1. Hannes Partsch

    Man besinnt sich wieder auf frühere analoge Qualitätskriterien, die der chemische Film bietet. Eine Entwicklung ähnlich der wiederauferstandenen Vinyl-Schallplatte.
    Es wäre nur noch intertessant zu erfahren, was so eine 15 m S-8 Cartridge kosten wird. Oder sind dann ev. etwas mehr Meter Material drin, oder bleibt’s bei 15m?

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  2. Hannes Partsch

    Nachtrag: wo werden dann S-8 Filme entwickelt? Müssen die dann nach Übersee geschickt werden, oder wird es in Europa (wie einst in Lausanne) einen Umkehrdienst geben?

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    • Patrick Müller

      Bereits jetzt schon ist Andec Filmtechnik in Berlin die Adresse für Schmalfilmentwicklung in Deutschland. Die fertigen auch umwerfend gute Wetgate-Positivkopien in Super 8 vom Vision3-Negativfilm. Lediglich bei Farbumkehrfilm muss seit kurzem das Material in die Niederlande zum Super 8 Reversal Lab geschickt werden, da die Aufträge für Andec zu wenig geworden sind. Aber auch das Super 8 Reversal Lab macht hervorragende Arbeit.

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  3. Jürgen Lossau

    Hallo Hannes Partsch, die Filme werden sicher auch künftig in Deutschland etwickelt. Negativfilm und SW-Film in Super 8 entwickelt zurzeit Andec in Berlin. Auch in Holland, England und Frankreich gibt es S8 Entwicklung, in Holland unf Frankreich auch für Farbumkehrfilm. Der Preis für eine Kassette ohne Entwicklung liegt heute bei ca. 35 Euro.Mit Entwicklung sind es knapp über 50 Euro. Das könnte in der Zukunft nach meinen Informationen vielleicht wieder etwas günstiger werden.

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    • Hannes Partsch

      Nicht zu vergessen ist die nachträgliche Bespurung. Oder ist überhaupt vorgesehen, Tonfilmkassetten herzustellen? So eine Kassette wird dann gut und gerne über 60.- EURO kosten. Man stelle sich vor: 10 Tonfilm-S8 Kassetten für den Urlaub habe den Gegenwert einer – wenn auch einfachen – Videokamera! Wer wird sich das leisten wollen? Die geplante Kodak S-8 Kamera ist ja gut und schön, aber ich habe z.B. einen Alukoffer mit einer Bauer 709 samt Zubehör. Wenn schon, dann würde ich diese Kamera wieder verwenden; doch diese Art der Filmerei wäre ein Luxushobby, wenn sich beim Filmpreis nichts Gravierendes tut.

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      • Georg Schuh

        Nichts gegen das Projekt, aber: Wieso soll “Schmalfilm” das “weltweit letzte Printmagazin für Super 8 und 16mm” gewesen sein? Nach wie vor gibt es als Printmedium “Cine 8-16” (http://www.celluloidfilm.de/24a6bc97e30fff60a/index.html) mit, so weit ich aus verläßlicher Quelle weiß, mindestens 600 Abonnenten. Und: Wie kann die “Kameramann”-Redaktion sowas schreiben, die ja mit der “Cine 8-16”-Redaktion in Kontakt steht?

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        • Timo Landsiedel

          Vielen Dank für den Hinweis! Es muss statt “letztes” natürlich “ältestes” Printmagazin heißen.

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