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Studienschwerpunkt "Director of Photography" im Studium an der internationalen filmschule köln

Immer in Bewegung

Vor zwei Jahren ging es für die ifs Köln von der Werderstraße in die Schanzenstraße. Studenten und Lehrende heben sich mittlerweile eingelebt. Zeit für uns, den Studienschwerpunkt „Kamera – Director of Photography“ zu porträtieren. In der aktuellen Ausgabe wurde aufgrund eines technischen Fehlers eine falsche Version des Texts abgedruckt. Wir bitten um Entschuldigung! Hier ist die aktuelle Version des Artikels.

Tippi Hedren schaut zu: Stephanie Hardt und Anne Schultze-Lindemann (Bild: Foto: Bernd Siering)

„Kindern und Gebrechlichen Benutzung verboten.“ Das ist eine Warnung, die einem heutzutage in unserem von „Health-and-Safety“-Bedenken geprägten Alltag nicht mehr ohne weiteres begegnet. In der Schanzenstraße 28 in Köln-Mülheim zieht dieser Text alle 30 Sekunden sehr gemächlich an einem vorüber. Die Hauptattraktion des Gebäudes ist ein Paternoster und die Warnung schmückt die Rückwand der Kabinen. Diese Insignie des Industriezeitalters wird pünktlich um 10 Uhr eingeschaltet und eifrig von den Filmstudenten der internationalen Filmschule Köln (ifs) benutzt, denn das spart persönliche Lebensenergie – modern sein ist anstrengend und studieren erst recht. Die Räumlichkeiten der ifs liegen in den unteren beiden Stockwerken des ehemaligen „Felten & Guilleaume“-Verwaltungsgebäudes. Zum gerade neu eingerichteten Kino geht es aus dem Hintereingang hinaus und quer über den Innenhof.
Die Filmschule wurde 2000 auf Initiative der Landesregierung NRW sowie der Film- und Medienstiftung NRW als gemeinnützige GmbH gegründet. Alleiniger Gesellschafter ist die Film- und Medienstiftung. Der Bachelor-Studiengang Film an der ifs umfasst derzeit neben Kamera die Studienschwerpunkte Drehbuch, Regie, Kreativ Produzieren, Editing Bild & Ton, VFX & Animation sowie Szenenbild. Den Studienschwerpunkt Kamera gibt es hier seit 2010. Nachdem an der Fachhochschule Dortmund 2007 zum letzten Mal Kamerastudenten aufgenommen wurden, wurde die Kameraausbildung an die ifs und die Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) verlagert. Die beiden Kölner Schulen pflegen eine enge Kooperation und betreiben einen gemeinsamen Technik-Pool mit unter anderem zwei ARRI Alexas. Darüber wird einmal im Jahr für die Studierenden eine gemeinsame Masterclass Bildgestaltung angeboten.
Nur alle zwei Jahre werden an der ifs Studenten im Schwerpunkt Kamera, der sich offiziell „Director of Photography im BA Film“ nennt, aufgenommen. Insgesamt drei Professoren betreuen die maximal zehn Studierenden pro Jahrgang. Darüber hinaus kommen Tutoren, die allesamt als renommierte Kameraleute aktuell in der Branche tätig sind, für einzelne Seminare oder Projektbetreuungen an die Schule. Erst Anfang 2018 kann man sich wieder bewerben. Studienstart wäre dann das Sommersemester 2019.
Wir sprachen mit Stephanie Hardt, Professorin für „Director of Photography Dokumentarfilm“ an der ifs internationale filmschule Köln und Anne Schultze-Lindemann, Absolventin 2016.

Wie sind Sie beide dazu gekommen, hier an der ifs das Fach „Kamera“ zu lehren beziehungsweise es zu studieren?
Stephanie Hardt: Ich habe in England an der University of Westminster und an der Northern Film School Kamera studiert. In England habe ich auch meine Karriere gestartet und bin dann schließlich nach Deutschland zurückgekommen, um an der ifs Kamera zu lehren. Ich hatte schon vorher immer wieder unterrichtet, und als Kamerafrau Spielfilme, Werbung, Serien und auch Dokumentarfilme gemacht. Es ist also nicht so, dass ich nur im Dokumentarfilm tätig war und bin. Aber mein Stil ist dokumentarisch. Bei allem, was ich drehe, findet sich immer der dokumentarische Stil. Das ist meine Handschrift und der Grund, warum mich Regisseure eben auch für narrative, fiktionale Projekte buchen.
Anne Schultze-Lindemann: Ich habe letztes Jahr im April meinen Abschluss gemacht und bin im Moment sozusagen die aktuellste Absolventin im Fachbereich „Kamera“ an der ifs. Ich habe schon vor meinem Studium in der Filmbranche gearbeitet, war lange Jahre als Zweite Kamera-Assistentin unterwegs, und habe gerade, bevor ich hier an der Schule angefangen habe, auch den Schritt zur Ersten Assistentin gemacht. Ich wollte aber immer schon Kamera studieren. Ich habe mich dann einfach getraut, die Bewerbungsrunden anzugehen und habe halt den Platz hier bekommen, und jetzt nach dem Studium bin ich auch wieder im Job.
Was war der Grund dafür, hier an der ifs zu studieren?
Anne Schultze-Lindemann: Ich habe mich natürlich auch an anderen Schulen in Deutschland beworben. Für mich war aber ausschlaggebend, dass ich schon in Köln gearbeitet hatte, hier mein Netzwerk war und ich auch schon viele Jahre hier gelebt habe. Ich brauchte das, um noch einmal zurück ins Studium zu finden und nebenbei den einen oder anderen Job machen zu können, um Geld für das Studium zu verdienen. Man hat zwar am Anfang gesagt, vergiss es, Arbeiten neben dem Studium wird nicht möglich sein, denn es ist ein Vollzeit-Studium! Das stimmt auch. Aber dadurch, dass Köln nun einmal ein wichtiger Fernseh- und Spielfilm-Standort in Deutschland ist und mit Düsseldorf ein Standort für Werbung ganz in der Nähe ist, habe ich schon die Möglichkeit gehabt, hier und da mal kleine Sachen zu machen und mir damit das Geld für das Studium zu verdienen. Das war für mich sehr ausschlaggebend.
Als ich an der ifs angefangen habe, war der Kamerastudiengang ganz neu, es gab erst einen Jahrgang vor mir. Auch die begrenzte Studienzeit hat mir gefallen, diese dreieinhalb Jahre. Das war überschaubar, und es kann nicht ausufern in zehn oder zwölf Semester. Das war für mich sehr reizvoll. Wenn man auf der anderen Seite diese zehn oder zwölf Semester studiert, hat man natürlich auch mehr Zeit, andere Projekte zu machen. Wenn es aber so schulisch und komprimiert wie hier abläuft, ist es eben ein Vollzeitstudium, und man muss Abstriche machen. Beim Abwägen, was für die eine und was für die anderen Schule spricht, war die ifs für mich das Optimum.
Stephanie Hardt: Das Besondere an der ifs ist ja auch, dass wir sehr wenige Studenten aufnehmen, zwischen acht und zehn pro Jahrgang, und das nur alle zwei Jahre. Dadurch haben wir eine sehr intensive Betreuung zwischen Professoren, Tutoren und Studenten, und es ergibt sich eine sehr familiäre Atmosphäre, durch die man auch auf jeden individuellen Studenten sehr konkret eingehen kann. Denn jeder Jahrgang ist anders zusammengestellt. Manche Jahrgänge haben unheimlich viel Vorwissen, bei manchen grätscht das hingegen so ein bisschen auseinander, wo zum Beispiel einige schon als Assistenten arbeiten und dann aber die anderen auf den neuesten Stand bringen können.

Am Paternoster: Prof. Stephanie Hardt (Mitte) und Anne Schultze-Lindemann (links) mit ifs-Studentinnen (Bild: Foto: Bernd Siering)

Anne Schultze-Lindemann: Bei uns war das eher breit gefächert.
Stephanie Hardt: Dieses Jahr ist es sehr homogen, auch altershomogen. Die Jüngste ist 20, der Älteste 27. Aber dadurch, dass wir so klein sind, sind wir eben sehr flexibel, Und zur Professorenschaft sind es sehr kurze Wege. Jetzt kommen immer wieder neue Fachbereiche dazu, was sehr spannend ist. Neben Kamera, Regie, Drehbuch, Produktion, Editing Bild & Ton und  VFX & Animation haben wir mit diesem Jahrgang erstmals auch einen Szenenbild-Schwerpunkt, ein Studio, ein Kino. So können die Studierenden sich im kontrollierten Studio-Setting noch ganz anders mit der Kamera austoben. Das ist ein Mehrwert, der sich seit dem Umzug in dieses Gebäude ergeben hat. Und dadurch, dass man dreieinhalb Jahre intensiv mit maximal bis zehn Studierenden verbringt, formen die auch mit ihrem Vorwissen und Neigungen den Lehrplan. Gewisse Inhalte sind zwar vorgegeben, aber man kann dann immer noch individuell darauf eingehen, und das empfinde ich als etwas Besonderes. Es ist auch ein Austausch. Ich lerne durch die Lehre!
Anne Schultze-Lindemann: Der Vorteil an der ifs ist wirklich, dass alles hier sehr übersichtlich ist. Man hat einen sehr nahen und direkten Kontakt zu den Lehrenden, sowohl zu den Professoren, die uns die ganze Zeit betreuen, als auch zu den Tutoren, die für kürzere Zeit hierher kommen. Man geht ganz einfach nicht in einer Masse von vielen Studenten unter, sondern man hat hier beinahe eine Eins-zu-eins-Betreuung über die dreieinhalb Jahre des Studiums hinweg. Man lernt sich sehr gut kennen und man hört oft den Satz, dass die Lehrenden auch viel von uns mitnehmen wollen, von unseren Eigenarten, unseren Sichtweisen und Blickwinkeln, wie wir die Welt sehen, wahrnehmen und interpretieren. Es war eine sehr abwechslungsreiche Zeit, die schnell vorbeiging.
Stephanie Hardt: Im besten Fall entstehen durch die Tutoren schon während des Studiums wichtige Kontakte mit der Branche. Dieses Tutorenmodell hat sich bewährt. Ich habe jetzt schon einige Absolventen gehabt, die mit ihren betreuenden Tutoren, die als freie Kameraleute arbeiten, nach dem Abschlussfilm ihre Zusammenarbeit weiter ausgebaut haben und dann im Anschluss auch dadurch Jobs gefunden haben. Ich wünsche mir sehr, dass das in Zukunft auch so weiterläuft.
Anne Schultze-Lindemann: Was ich als besonders empfinde: Obwohl die Schule so klein ist, ist sie wahnsinnig gut ausgestattet. Es gibt, wie du schon sagtest, ein Studio, Kino, eine Grading Suite. Ich habe auf dem Weg hierher noch einmal den Artikel im „Kameramann“ über die Hamburg Media School gelesen, die ja eine ganz andere Philosophie hat. Die HMS greift bewusst auf das professionelle Umfeld in Hamburg zurück. An der ifs hat man vieles schulintern, und das fand ich während meines Studiums richtig gut. Dadurch, dass wir die Grading-Suite hier an der Schule haben, mussten wir unser Material selbst graden, und wir haben dadurch eben auch gelernt, was es tatsächlich heißt zu graden: was man machen kann, was man erwarten kann und wo die Grenzen sind.

Kamerafrau Anne Schultze-Lindemann am Set von “Die Pantherin” (Bild: Foto: Thorsten Schönrade)

Viele Kamera-Studiengänge in Deutschland sind männlich dominiert, was die Studierenden angeht. Wie sieht das an der ifs aus?
Stephanie Hardt: Die Kamera-Arbeit ist ein nach wie vor männlich dominiertes Feld. Das hat sich jedoch in der Zeit, die ich im Beruf bin, bereits gebessert. Das sieht man auch daran, dass wir in jedem Jahrgang mittlerweile zwei bis drei Studentinnen aufnehmen. Das finde ich schon bezeichnend.
Das ist ungefähr die Hälfte der Studierenden?
Stephanie Hardt: Das ist ungefähr ein Drittel. Im neuen Jahrgang haben wir drei. Auf jeden Fall wächst es. Wir haben zunehmend mehr Bewerberinnen, und in der Folge auch mehr Kamera-Studentinnen. Es ist allerdings nicht die einzige Lösung, dass man gut ausgebildete Kamera-Studentinnen in die Industrie entlässt, sondern es geht dann in der Folge auch um die Sichtbarkeit dieser Talente. Deswegen habe ich mich mit anderen Kamerafrauen, (unter anderem Birgit Gudrunsdottir und Daniela Knapp), ein Netzwerk ins Leben gerufen, „cinematographersxx.de“, eine Website, die den talentierten Kamerafrauen in der Filmbranche zu mehr Sichtbarkeit verhilft.
Anne Schultze-Lindemann: Ich weiß von vielen Kamerafrauen, weil einige auch meine Vorbilder sind und verfolge  gerne ihre Karrieren. Und dadurch bin ich natürlich auch im Bilde, dass es nicht nur eine einzige Kamerafrau unter den ganzen Kameramännern gibt. Aber die allgemeine Wahrnehmung ist doch noch mal eine andere. Vor allem als ich damals als Kameraassistenz begonnen habe, fanden es viele ungewöhnlich, wenn man als Frau in dem Bereich gearbeitet hat. Ich habe das bei meinem Werdegang aber nie als Hindernis empfunden, obwohl man mir das oft so gespiegelt hat … da musst du ja noch in die Muckibude gehen, da kannst du das mit der Familie knicken … Aber für mich war es selbstverständlich, dass ich das auch kann. Für mich gab es da keinen Unterschied. Ich glaube auch, es ist die beste Herangehensweise, sich nicht einschüchtern zu lassen und es als einfach selbstverständlich anzusehen, dass man diesen Beruf ausüben kann wie jeden anderen auch, und ich fühle mich dadurch in dieser Auffassung bestätigt, dass immer mehr Frauen in diesen Positionen sichtbar werden.

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