Im Zeichen des Wandels

Filmfestival Rom und Filmmarkt Rom 2015

Die Festa del Cinema di Roma und der dazugehörige Filmmarkt in der Ewigen Stadt unterliegen einem ständigen Wandel. Diskontinuität, Qualität und Vielfalt gehören für Antonio Monda, den künstlerischen Leiter des Festivals, zu den zentralen Zielsetzungen.

Das Filmfestival

In diesem Jahr lockte das Event über 50.000 Besucher, darunter mehr als 35.000 zahlende Zuschauer, in die Kinos. Eröffnet wurde die 10. Festa del Cinema di Roma (16. bis 24.10.) mit dem Regiedebüt TRUTH von dem US-Drehbuchautor James Vanderbilt (THE AMAZING SOIDER MAN 1 und 2, ZODIAK), der den  «Rathergate»-Skandal mit Robert Redford und Cate Blanchett in den Hauptrollen verfilmt hat. Der CBS-Moderator Dan Rather hatte 2004 in der Sendung 60 MINUTES darüber berichtet, dass George W. Bush 1968 eine Sonderbehandlung in der US-Nationalgarde erhalten habe, um nicht nach Vietnam eingezogen zu werden, was dem Journalisten das Ende seiner Karriere bescherte.

Zu den Highlights des Festivals gehörten Talk-Runden mit prominenten Schauspielern und Regisseuren wie Jude Law, Joel Coen & Francis McDormand, Donna Tarte oder Wes Anderson. In der Città Eterna zu Gast war auch der Franzose Philippe Petit, der 1974  als «Man on a Wire» zwischen den Türmen des damaligen World Trade Center weltweit für Furore gesorgt hatte. Nachdem bereits die Oscar-gekrönte Doku MAN ON WIRE 2008  in Rom gezeigt worden war,  lief dort nun auch Robert Zemeckis 3D-Imax-Film THE WALK. Bei der Produktion dieses Kinofilms stand der Hochseilkünstler dem Hauptdarsteller Joseph Gordon-Levitt als Berater zur Seite. «Ich hatte nur acht Tage Zeit, ihm beizubringen, sich auf einem Hochseil zu bewegen», berichtete Petit.

Auf dem Programm des Festivals standen insgesamt 53 Filme aus 24 Ländern, die von Genrefilmen über Melodramen, Thrillern und Komödien bis hin Animationsfilmen reichten. Dazu gehörte das bewegende Entführungsdrama ROOM von Lenny Abrahamson, David Verbeeks psychologischer Thriller FULL CONTACT oder Pan Nalins jüngstes Werk ANGRY INDIAN GODDESSES, das ihm den Publikumspreis einbrachte. In diesem ersten weiblichen Buddy-Films aus Bollywood, an dem die deutsche Produktionsfirma One Two Films beteiligt ist, feiert eine junge Modefotografin mit  Freundinnen in Goa ihren Junggesellinnenabschied.

«Mein Ansatz sieht vor, eine außergewöhnliche Kombination aus Talenten, Qualität und Vielfalt zusammenzustellen», erklärt Filmfestleiter Antonio Monda, der den Wettbewerb in Rom gestrichen hat. «Die Preise, die auf Festivals vergeben werden, sind nicht immer auf die Qualität eines Films zurückzuführen», sagt er weiter, «bei uns ist jeder Film im Programm ein Gewinner.»

Filmfestleiter Antonio Monda. © Birgit Heidsiek

Die internationale Premiere ihres Films in Rom feierte die deutsche Regisseurin Theresa von Eltz mit ihrem Spielfilmdrama VIER KÖNIGE, das in der unabhängigen Jugendsektion «Alice nella città» lief. Die junge Regisseurin, die mit ihrem Kurzfilm GECO 2007 im Berlinale-Kurzfilmwettbewerb vertreten war, hat an der Londoner National Film & Television School (NFTS)  bei Stephen Frears und Ken Loach ihr Handwerk gelernt hat. In ihrem Spielfilmdebüt VIER KÖNIGE schildert sie die Geschichten von vier Teenagern, die von ihren Eltern über die Weihnachtsfeiertage in eine psychiatrische Einrichtung für Jugendliche gesteckt werden. «Es ist keine Seltenheit, dass gestörte Kinder Weihnachten in der Jugendpsychiatre verbringen, weil die Eltern ein stressfreies Fest haben möchten», beschrieb es Theresa von Eltz, die das Drehbuch zu diesem Kinofilm gemeinsam mit der Autorin Esther Bernstorff entwickelt hat. Das Skript brachte ihnen eine Nominierung für den Deutschen Drehbuchpreis ein. «Wir haben», berichtete die Regisseurin weiter, «uns bei der Stoffentwicklung sehr gut ergänzt. Esther besitzt eine groß Sensibilität für die Sprache und die Charaktere». Die Rollen der vier Teenager hatte die Filmemacherin mit Jella Haase, Paula Beer, Moritz Leu und Jannis Niewöhner besetzt.

Der rote Teppich vor dem Auditorium Parco della Musica wurde auch genutzt, um Aufmerksamkeit für gesellschaftspolitische Themen zu generieren. Die Organisation Ärzte ohne Grenzen wies mit einem Flashmob-Event auf die Vielzahl der Flüchtlinge hin, die im Mittelmeer ertrinken.

© Birgit Heidsiek

Um das Schicksal von Immigranten geht es auch in dem Spielfimprojekt JUST LIKE MY SON von der italienischen Filmemacherin Costanza Quatriglio, die beim europäischen Co-Produktionsmarkt New Cinema Network (NCN) in Rom den Eurimages Co-Production Development Award im Wert von 20.000 Euro gewann. Überreicht wurde ihr der Scheck vom Eurimages-Leiter Roberto Olla und von Lucia Milazzotto, der Leiterin des neuen  Filmmarktes Mercato Internazionale dell’Audiovisivo (MIA), der erstmals die gesamte audiovisuelle Branche in Italien vereint.

Costanza Quatriglio xxxxxx. © Birgit Heidsiek

Unter dem neuen Label MIA haben  der Dachverband der italienischen Filmindustrie ANICA (National Association of Film and Affiliated Industries) und der Verband der Fernsehproduzenten  ATP (Television Producers Association) eine gemeinsame  Plattform aufgebaut. «Wir setzen auf Konvergenz, um die strategische Entwicklung, Co-Produktion und internationale Vermarktung von verschiedenen Formaten für Kino, Fernsehen, aber auch von Dokus, Games und Animation anzukurbeln», erklärte Lucia Milazzotto, Leiterin des MIA, «im Vordergrund steht unsere Zielsetzung, die Branche stärker miteinander zu vernetzen».

@ Birgit Heidsiek

Die erste Ausgabe von MIA, der sich als europäische Plattform zwischen der MIPCOM und dem American Film Market positioniert, lockte rund 1.600 Branchenvertreter aus 58 Ländern an, darunter 550 Produzenten, 300 Einkäufer, 120 Weltvertriebe und 50 Fernsehredakteure. Während auf der Dachterrasse des schicken Luxushotels Boscolo neue Deals eingefädelt wurden, fanden in den  gegenüber liegenden Diokletiansthermen die Branchendiskussionen statt. Dabei ging es unter anderem um  technische Neuerungen wie Virtual-Reality-Projekte. «Die Zukunft liegt im strategischen Management einer Marke. Sony produziert Filme, die auf bekannten Videospielen basieren», betonte Marco Saletta, der in Italien bei Sony für den Bereich Computerunterhaltung verantwortlich ist. Auf Virtual-Reality-Anwendungen setzt auch die 20th Century Fox, die mit LOADING HUMAN ein immersives Abenteuer für Playstation-VR- und Oculus-Rift-Fans entwickelt. «Es ist wichtig, Inspirationen zu Marketing, neuen Geschäftsmodellen und Finanzierungswegen zu erhalten», resümierte Milazzotto, «denn der Markt verändert sich sehr schnell.»

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