Konzepte und Ideen müssen bis bis 5.8. eingereicht werden, Thema wachsende soziale Kluft

Aufruf: Dokumentarfilm-Wettbewerb der ARD

Die ARD ruft Filmemacher in diesem Wettbewerb dazu auf, das Konzept für einen Dokumentarfilm einzureichen. Der Gewinner geht mit 250.000 Euro in die Produktion.

ARD Dokuwettbewerb
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ARD Dokuwettbewerb

Das Thema des Wettbewerbs ist die soziale Gerechtigkeit, Filmkonzepte müssen sich damit befassen: Die Schmerzgrenze – Wie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich unser Land verändert.

In der Ausschreibung geht die ARD ins Detail, wo genau der Kern der Sache liegt: “Über 300.000 Menschen leben derzeit in Deutschland auf der Straße. Bereits in den nächsten zwei Jahren wird ihre Zahl laut defensiven Schätzungen auf 500.000 steigen. Dann sind so viele Menschen in einem der reichsten Länder Europas ganz unten angekommen, wie derzeit in Hannover oder Leipzig leben. Und viele in diesem Land haben Angst, dass sie demnächst dazugehören werden. Über 16 Millionen Menschen sind in Deutschland akut von Armut bedroht. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens erwirtschaftet. Im Moment bedeutet das: unter 1000 Euro im Monat.”

Des weitern wird eingegangen auf prekäre Arbeitsverhältnisse, auf Hartz IV, auf die Vermögensverteilung im Land: Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Zahnersatz ist mittlerweile keine Selbstverständlichkeit mehr, ebensowenig die Teilnahme an der Klassenfahrt für den Nachwuchs.

Die ARD wünscht sich: “keine Klassenkampflyrik und auch keine Sozialreportage, sondern der kluge Blick auf ein Land, das sich schleichend verändert. Ist es an der Zeit, mehr Gerechtigkeit zu wagen? Und was ist “gerecht” in einer Leistungsgesellschaft? Sollte wenigstens der Spitzensteuersatz wieder erhöht werden oder müssen wir auf die Superreichen setzen, die von ihrem gewaltigen Vermögen Millionen Euro stiften, um sinnvolle Sozial- und somit Perspektivarbeit zu ermöglichen? Kann es richtig sein, dass Unternehmen ihre Gewinne über Firmenkonstruktionen kleinrechnen und sich so – anders als die breite Mittelschicht – ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen? Ist die Forderung nach Vermögens- und höherer Erbschaftssteuer nur der Reflex einer Neidgesellschaft oder kann sowas das soziale Gefälle zumindest mildern?

“Die Schmerzgrenze” soll ein spannendes dokumentarisches Format sein, das Mut und Kraft hat, um jenseits der Schemata von links/rechts, gut/böse einen freien, offenen und berührenden Blick auf die soziale Situation in Deutschland zu werfen.”

Erwartet wird ein gut recherchierter Film in außergewöhnlicher Machart. Projekte, die schon ARD-Häusern zur Prüfung vorgelegen haben, sind vom Wettbewerb ausgeschlossen.

Eingereicht (als PDF) werden müssen:

  • eine Logline, Synopsis (1 Seite),
  • ein mindestens 10 Seiten umfassendes Exposé, das den hochwertigen Look und die dramaturgischen Strukturen erkennen lässt,
  • Gedanken zur Online-Strategie und Vermarktung (max. 2 Seiten),
  • eine Grobkalkulation und ggf. einen Finanzierungsplan (1 bis 2 Seiten).

Die Einreichfrist endet mit dem 5. August 2016. Die Projekte müssen an ard-dokupitch [at] mdr.de unter dem Betreff Schmerzgrenze eingereicht werden. Die fünf Gewinner der ersten Runde pitchen am 2.11. dieses Jahres öffentlich auf dem 59. internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm, der endgültige Gewinner wird bei der ARD-Veranstaltung “Top of the Docs” während der Berlinale 2017 in Berlin bekanntgegeben. Zur Ausschreibung.

Ob der Film dann tatsächlich zur Primetime läuft und damit ein breites Publikum erreicht, bleibt offen. Die Chancen dafür sind wohl eher dünn, wenn selbst der Oscar-prämierte “Citizenfour” es nur auf einen Montag (23.11.2015) um 23:05 brachte. Doch die Hoffnung stirbt bekanntermaßen zuletzt.

Ein Kommentar zu “Aufruf: Dokumentarfilm-Wettbewerb der ARD”
  1. Julian Reischl

    In der Schweiz steht ja am 5. Juni eine Volksabstimmung zu einem hierzu extrem relevanten Thema an… Hint, hint!

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