Seit dem 25.8. ist LOLLIPOP MONSTER in den deutschen Kinos. Kameramann Hannes Hubach arbeitete klassisch mit 35 und 16 Millimeter, mit Super-8 und auch mit der Red, um Ziska Riemans Popkultur-Punk-Film um zwei heranwachsende Mädchen herum eine ganz spezielle Anmutung und Textur zu geben.

Bei LOLLIPOP MONSTER haben Ari und Oona, die Hauptdarstellerinnen (Sandra Horváth und Jelly Haase, v.l.n.r.), auch selber mitgefilmt, in Super-8. DP Hannes Hubach (r.) montierte ihnen dafür eine Nizo auf ein Stabstativ. Foto: Hannes Hubach.
Die technische Vorgehensweise beschreibt Martin Block in unserem Produktionsbericht in Ausgabe 7/2010 so:
« … Die Totalen dreht Hannes Hubach, damit Details besser abgebildet werden, tatsächlich auf 35 Millimeter, auf den gleichen Emulsionen (Kodak 5219 und 5207) wie bei 16 Millimeter, mit einer in der Miete kostengünstigen Moviecam aus den 1990er Jahren. Für Überblendungen in die Traumwelten der Mädchen setzt er Super-8 ein. Er verwendet hier die Umkehrfilme Kodak Ektachrome 64T und das Wittnerchrome 50D/100D, ein von der Hamburger Firma Wittner Filmtechnik für Super-8 konfektioniertes Material von Fuji … Auf den Super-8-Negativmaterialien in Kunstlicht-Sensibilisierung von Kodak (7217 und 7218, 200 und 500 ASA, beide Vision 2) dreht er manchmal. Für Super-8-Schwarzweiß verwendet er von Kodak Plus-X (7265) und Tri-X (7266). Einige Wochen vor Drehbeginn ersteigerte er bei Ebay eine Super-8-Kamera, eine Nizo Professional von Braun, Baujahr 1974. Für die Fantasie-Sequenzen nimmt er identische Motive erst auf Super-16 und dann auf Super-8 auf. Sie werden in der Postproduktion überblendet, um sich letztlich in kurze Kohlezeichnungs-Animationen von Ziska Riemann zu verwandeln … »
Zu diesem ungewöhnlichen Materialmix sagt DP Hannes Hubach, der Mitglied im deutschen Bundesverband Kamera BVK ist:
«Die vielen verschieden Materialen sind ein Spiel mit der Körnigkeit. So hat Super-8-Ektachrome ein fast poetisches Filmkorn auf der Kinoleinwand, während die digitalen Red-Aufnahmen komplett kornfrei sind. Es geht mir um Dichte und Rauhigkeit der verschiedenen Materialen. Es ist wie malen, mit ganz vielen Farben und Pinseln, wobei die analogen und digitalen Aufnahmematerialen die Leinwand bilden.»
Unser Autor Martin Block zitiert ebenso Ziska Riemann, die Regisseurin, die selber auch Comic-Zeichnerin und Comic-Autorin ist:
«Technisch gesehen sind das Taschenspielertricks, aber sie bringen tolle Effekte.»
Eine ganz gute Beschreibung der Handlung des Films hat die Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW) veröffentlicht:
«Ariane und Oona sind zwei Teenager, die auf den ersten Blick nicht viel gemeinsam haben: Während Ariane mit ihren blonden Zöpfen und kurzen Röcken das Lolita-Image zelebriert, zieht sich die stille und schwarz gekleidete Oona nach dem Selbstmord ihres Vaters zurück in eine Welt düsterer Fantasien. Beide Mädchen fühlen sich nicht wohl in ihrer Haut, haben Probleme mit ihren Familien und sind auf der Suche nach Seelenverwandten. Als sie sich treffen, bilden sie eine verschworene Gemeinschaft. Hoffnung keimt auf. Doch dann kommt Lukas und alles steuert auf eine Katastrophe zu. Ziska Riemann führt die beiden hervorragenden Jungdarstellerinnen durch eine popkulturelle Tour de Force. Comicartig wirken die Szenen, knallig bunt die Farben und Kostüme, und dennoch sind Dialoge und Geschichte aus der Feder der Multitalente Riemann und Luci van Org rabenschwarz. Alles ist kräftig überzeichnet und erreicht gerade deswegen eine tragische Dimension. Die Musik ist laut, aggressiv und unterstützt den Zorn der hier porträtierten Jugendlichen. Eine furiose filmische Fahrt!»
Unser kompletter Produktionsbericht zu dem Film – damals noch unter dem Arbeitstitel «Friedenau» – stand in Heft 7/2010, S. 98 ff.
Der Autor Martin Block ist Fachjournalist für Film und Fernsehen und lebt in Köln.
LOLLIPOP MONSTER
im Kino auf 35 mm und als DCP, 1:1,85, Farbe, 93 min
Produktion: Network Movie, Köln, in Co-Produktion mit dem ZDF
Verleih (DE): Edition Salzgeber



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