Berlinale 2012 – Lieblingsfilm JAYNE MANSFIELD’S CAR

John Patrick Amedor und Kevin Bacon (v.l.n.r.) in JAYNE MANSFIELD’S CAR (Regie: Billy Bob Thornton, RU/US 2012). Foto: Van Redin/Media Talent Group.

Berlinale 2012: Unsere Autoren berichten in unserer kommenden Print-Ausgabe nicht nur sozusagen offiziell von «ihrer» Sektion, sie sind auch als eigenständige Filmliebhaber im Kino gewesen, in ihrer oder auch in einer ganz anderen Abteilung. Diese Lieblingsfilme bringen wir in den nächsten Tagen in loser Folge online. Wir beginnen mit Sabine Felbers Eindrücken von JAYNE MANSFIELD’S CAR.

1967 verunglückte Jayne Mansfield auf einem Highway in der Nähe der Stadt Slidell im US-Bundesstaat Alabam. Billy Bob Thornton, Schauspieler, wollte nach eigener Aussage schon immer einen Film machen, in dem dieses Ereignis eine Rolle spielt. Sein Vater nahm ihn damals angeblich zu dem verunglückten Autowrack mit. Insofern ist seine Regiearbeit, in der er auch eine Hauptrolle übernimmt, in Teilen autobiografisch motiviert.

Thornton inszeniert jede Menge Vater-Sohn-Konflikte und Kriegstraumata in diesem wunderbar humorvollen Antikriegsfilm, der im Jahr 1969 in den Südstaaten spielt. Dabei gelingt ihm die Gratwanderung zwischen Komödie und Tragödie. Der Familienpatriarch Jim Caldwell (Robert Duvall) und seine vier Kinder wurden vor 20 Jahren von Naomi, seiner Frau, verlassen, die in England den Witwer Kingsley Bedford (John Hurt) heiratet und weitere zwei Kinder bekommt. Beide Familien müssen sich anlässlich der Beerdigung Naomis in ihrer Heimat treffen. Nach zwei gemeinsamen Tagen sind sich einige näher gekommen, einige auch sehr nah, und eine im Eistee plazierte LSD-Tablette erweitert das Bewusstsein.

Die Aussöhnung der beiden ehemaligen Rivalen Jim und Kingsley wird gekrönt durch die gemeinsame Besichtigung des Wracks von Jayne Mansfields Wagen. Und irgendwie hat man die Ahnung, dass diese Szene auch eine Annäherung Thorntons an die skurrile Angewohnheit seines Vaters ist, ihn, den Sohn, an Unfallorte zu führen. Und noch etwas kann verraten werden: der Schluss des Films ist überraschend und sehr klug gesetzt.

Foto oben: John Patrick Amedor und Kevin Bacon (v.l.n.r.). © Van Redin/Media Talent Group.

JAYNE MANSFIELD’S CAR
Russland/USA 2012

Regie: Billy Bob Thornton

Buch: Tom Epperson, Billy Bob Thornton

Bild: Barry Markowitz, ASC

Musik: Owen Easterling Hatfield

Montage: Lauren Zuckermann

Produktion: AR Production, Moskau; Media Talent Group, Los Angeles

Aufnahmeformat: 35 mm, 1:2,35, Farbe

Vorführformat: 35mm/DCP, 1:2,35, Farbe

Länge: 122 Minuten

Filmaussschnitt bei Youtube:

Der komplette Berlinale-Bericht erscheint am 20.3.2012 in FILM & TV KAMERAMANN 4/2012, in der Print-Ausgabe und auf dem iPad in der KAMERAMANN-App. Und alles weitere zu den Berlinale-Preisen steht hier!



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