Gespräch mit der HFF-Präsidentin

50 Jahre HFF: Interview mit Prof. Bettina Reitz

Zum 50. Geburtstag der Filmhochschule sprachen wir mit deren Präsidentin, Frau Professorin Bettina Reitz. Frau Reitz ist die erste, die dieses Amt hauptamtlich inne hat. Julian Reischl sprach in München mit Frau Reitz und brachte in Erfahrung, was der Status Quo der altehrwürdigen Filmhochschule zum Jubiläum ist.

Prof. Bettina Reitz, Präsidentin der HFF München
Foto: Julian Reischl
Prof. Bettina Reitz, Präsidentin der HFF München

Frau Reitz, wie ist es, das Präsidentenamt als erste Hauptamtliche inne zu haben?
Man hat festgestellt, dass die Hochschule in der heutigen Zeit so viele Aufgabengebiete hat, dass es einer hauptamtlichen Präsidentschaft bedarf. In der Vergangenheit hatte eine ehrenamtliche Präsidentschaft ausgereicht und alle meine Vorgänger haben sich sehr verdient gemacht.

Was genau sind die Aufgaben einer Präsidentin?
Die HFF ist eine Kunsthochschule, die in Abteilungen strukturiert ist. Die Präsidentin sitzt zusammen mit der Kanzlerin und zwei Vizepräsidenten in der Hochschulleitung. Diese hat die Aufgabe, alle Fragen von Verwaltungs- über Personalthemen bis hin zu Budgetanträgen zu beantworten. Die Präsidentin leitet den aus gewählten Mitgliedern bestehenden Senat, die überwiegend die Aufgabe der Lehre diskutieren, beraten und beschließen. Sie berichtet außerdem an den Hochschulrat und dessen derzeitigen Vorsitzenden Siegfried Schneider. Auch arbeitet sie mit dem Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst zusammen. Meine Aufgaben sind neben Strategien für die Zukunft der HFF anzudenken, auch neue Kooperationen zu prüfen und  die Repräsentation der HFF in Bayern, in Deutschland und international.

Haben Sie direkten Einfluss auf das Curriculum und wenn ja, wie stark? Oder machen das die leitenden Professoren der Abteilungen?
Die Freiheit der Lehre ist in einer Kunsthochschule ein sehr wichtiges Gut, und insofern ist selbstverständlich hier erst einmal die geschäftsführende Professorin, der geschäftsführende Professor mit ihren Mitarbeitern, ihren Teams verantwortlich. Aber ich stehe mit Rat und Tat zur Seite. Wenn es abteilungsübergreifende Themen betrifft, bin ich oft die, die dann einlädt, damit wir diese gemeinsam besprechen können. Ich habe meine Schwerpunkte in meinen ersten anderthalb Jahren tatsächlich auf Strukturen in der HFF gelegt, die nicht unmittelbar die Lehre angesprochen haben. Das Curriculum wird von der Lehrplankonferenz erarbeitet und in den Grundzügen vom Senat verabschiedet. Ich komme zwar regelmäßig mit Ideen und Vorschlägen, aber in die Hoheit und die Freiheit der Lehre greife ich nicht ein.

Wie steht die HFF in der Welt, in der Branche da? Welche Erfolge, aber auch welche Misserfolge gibt es?
Die HFF München steht, meiner Meinung nach, in der Welt als eine interessante Hochschule da, weil sie spannende Vitae von Ihren Alumni erzählen kann. Die Biographie der HFF ist in erste Linie geprägt durch die der Absolventinnen und Absolventen. Das beginnt mit Wim Wenders in unserem A-Kurs und geht aktuell bis zu  Maren Ade. Viele sind schon nachgekommen, aber Maren Ade, die bisher noch nicht so viele Filme gemacht hat, hat einen riesigen Erfolg mit Toni Erdmann erzielen können. Wir haben also sehr umtriebige und überall sichtbar erfolgreiche Alumni, übrigens nicht nur in den Regie-Abteilungen. Deshalb ist die Geschichte der HFF eine erfolgreiche und das sieht die Branche auch so. Dass man sich aber ständig weiterentwickeln muss, und dass die Erfolge von heute schon morgen nichts mehr zählen, das ist das Fatale oder die Herausforderung am Filmgeschäft. Sie haben einen Erfolg und danach einen Misserfolg und dann schauen alle erst einmal auf den Misserfolg, das ist der Dynamik dieser Branche geschuldet und das ist etwas , womit man an einer Hochschule umgehen lernen soll.

Was wünschen Sie sich für Ihre Hochschule?
Wir wünschen uns, wie wahrscheinlich alle Kunsthochschulen, mehr Stellen. Wir sind hier mit einem besonderen Gebäude äußerst privilegiert ausgestattet. Wir haben vier Kinos, wir haben vier Studios. Wir verfügen also über Möglichkeiten, für die wir sehr dankbar sind und die unsere Studenten auch sehr zu schätzen wissen. Aber wir brauchen immer auch die Mittel, um mit dem Personal diese Anforderungen umsetzen zu können und da ist die Hochschule eher dünn ausgestattet. Nicht zuletzt ist die HFF im Kunstareal auch ein wichtiger Veranstaltungsort.
Persönlich würde ich mir noch folgendes wünschen: Ich habe während meines Studiums als Regieassistentin gearbeitet und „Paris, Texas“ gesehen.  Ich war so beeindruckt, dass ich, was ich vorher und nachher nie wieder gemacht habe, eine flammende Bewerbung an den Regisseur geschrieben habe mit einem melancholischen Foto, weil ich dachte, das Bewerbungsfoto bei Wim Wenders muss ein melancholisches sein. Ich habe also das mit Herzblut und Leidenschaft  verfasste Bewerbungsschreiben losgeschickt und habe bis heute niemals eine Antwort erhalten. Eigentlich wollte ich Wim Wenders diese Geschichte an unserem 50jährigen Jubiläum der HFF erzählen, aber leider musste er kurzfristig absagen.

Was ist für die Zukunft angedacht?
Wo wir uns verstärken müssen und wollen, ist im Angebot der Lehre für die digitale Bildgestaltung. Im digitalen Bereich wollen wir auch die Sichtbarkeit unserer Filme weiterentwickeln können. Wir wollen nach wie vor eine starke Hochschule für die Überlebensfähigkeit des Kinos bleiben bei allen neuen, innovativen Erzählformen, die wir selbstverständlich auch verstärkt im experimentellen Raum ausprobieren werden. Wir suchen noch mehr Kooperationen mit Partnern, auch denen des Kunstareals. Das ist eine große Freude, das beginnt gerade. Da hat München und Bayern sehr viel Potenzial und das möchten wir noch stärker heben. Neben der Internationalität wo wir uns ebenfalls weiterentwickeln wollen. Das sind im Moment die Hauptschwerpunkte.

Halten die Alumni guten Kontakt oder eher nicht?
Das ist ganz unterschiedlich. Wir haben Alumni, die der Schule sehr zugetan sind, die sich sehr um uns und die Studierenden kümmern. Wenn sie zum Beispiel eine Firma haben, holen sie die Studierenden in ihren Berufsalltag. Da gibt es beeindruckende Beispiele. Und wir haben wie jede Hochschule auch einige Alumni, von denen wissen wir nicht einmal, wo sie wohnen. Das sind bei uns aber sehr sehr wenige. Leider haben wir keine eigene Alumni-Stelle, aber eine Mitarbeiterin, die neben ihren anderen Aufgaben die Kontakte und den Austausch pflegt, was ich sehr schätze. Überhaupt bin ich als Präsidentin sehr dankbar für all die Partner und diejenigen, die sich in unterschiedlichsten Bereichen so aktiv für die Hochschule engagieren.

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